Lernen und Erleben

Ländliche
Gesellschaft

Das Leben und Arbeiten, damals heute morgen.

 

Domizil für die Heimatgeschichte

»Nur wenn wir miteinander reden,
können die Geschichten weitergetragen werden.«

Die Letschiner Heimatstuben bilden seit 1994 das Geschichts-, Veranstaltungs- und Begegnungszentrum der Gemeinde Letschin. Die museale Sammlung geht auf den Lehrer Ernst Tietze aus Quappendorf sowie auf den Letschiner Landwirt Alfred Böhme zurück. Die Bestände werden stetig erweitert und stehen den Besuchern zur Besichtigung offen. Weiterhin bietet das Haus einen Einblick in fundierte Chroniken und Ausstellungstafeln zur Geschichte Letschins sowie dessen Ortsteilen. Ein spezieller Raum ist dem Dichter Theodor Fontane (1819 - 1898) gewidmet, dessen Vater in Letschin eine Apotheke betrieb. In den Letschiner Heimatstuben finden übers Jahr regelmäßig Ausstellungen, Lesungen und Vorträge statt. Das Erinnern an frühere Zeiten bildet hier den Rahmen, in dem das heutige Dorfleben weiterentwickelt wird. Ein Blick in den Veranstaltungskalender lohnt sich für die Menschen vor Ort sowie für Touristen.

Letschiner Heimatstuben
»Haus Birkenweg«
Letschiner Birkenweg 1
15324 Letschin
 0 33 475 - 50 797
www.letschin.de/heimatstube

 

 

 

 

Erinnern macht klug

»Ihr müsst es nicht so machen,
aber ihr solltet wissen wie es war.«

Die Heimatstube ist in einem kleinen sanierten Tagelöhnerhaus aus dem Jahr 1885 untergebracht. Die Hauptorientierung der Ausstellung zielt auf das Alltagsleben der Menschen und zeigt, mit wie wenigen Mitteln die Tagelöhner auskommen mussten. Man findet zahlreiche Gebrauchsgegenstände mit denen die Großeltern noch umgegangen sind. Respekt und Achtung vor der damaligen Zeit, vor den Schwierigkeiten des früheren Lebens zu vermitteln, darum bemühen sich die Ausstellungsmacher.
Neulewin war Teil eines Brückenkopfes, ein hitlergetreuer Bürgermeister mahnte zum Kampf statt zur Flucht. Es gab ungleich mehr kaputte Häuser. Von der erzwungenen Flucht nach Osten kamen deutlich weniger Menschen zurück, als es in anderen, frühzeitig aufgegebenen Dörfern der Fall war. Armut und Not liegen lange zurück, aber sie bilden wichtige Fenster, durch die man schauen kann, um Neulewin auch heute zu verstehen und die Dinge weiterzuführen, die es als besonderes Dorf auszeichnen. Der 1996 gegründete Heimatverein betreut bis heute
das Haus, sichert die Öffnungszeiten ab und organisiert Führungen.

Heimatstube Neulewin
Dorfstraße 53
16259 Neulewin
0 33 452 - 32 15

 

 

 

 

Wir Kinder von Golzow

»Entstanden ist eine Dokumentation über die DDR-Alltagsgeschichte und die Wendezeit, wie es sie nicht noch einmal gibt.«

1961, kurz nach dem Bau der Mauer an der deutsch-deutschen Grenze, beginnen die Filmemacher Barbara und Winfried Junge für das DEFA-Dokumentarfilmstudio im Oderbruch mit einer Langzeitdokumentation »Die Kinder von Golzow«. Sie filmen
die Einschulung einer 1. Klasse in der Schule des Ortes. Die Chronik dieser Landschulklasse findet nach 19 Filmen, die von der Schulzeit angefangen über die Ausbildung und die familiäre Entwicklung Einblicke in verschiedene Lebensläufe geben, 2007 ihr Ende. »Entstanden ist eine Dokumentation über die DDR-Alltagsgeschichte und die Wendezeit, wie es sie nicht noch einmal gibt«, betont Museumsleiterin Simone Grieger. Hier kann man die Entwicklung der DDR-Gesellschaft vom Aufbau bis zum Ende verfolgen.
Die Filmausstellung gibt einen umfassenden Einblick in die Arbeit der Filmemacher und die Entstehung der Dokumentation. Die Filme können im zum Museum gehörenden kleinen Vorführraum geschaut werden. DVD's und zwei Bücher zur Filmreihe können erworben werden.

Filmmuseum »Kinder von Golzow«
Hauptstraße 16
15328 Golzow (Oderbruch)
0 33 472 - 51 882
www.kinder-von-golzow.com

 

 

 

 

Wunderkammern des Alltags

»Früher haben wir mit den Geräten gearbeitet,
und nun schauen Sie es sich an und nun ist es Kultur.«

In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann Vera Schröder, alte Dinge zu sammeln, weil sie den Haushalt ihrer Eltern auflösen musste und feststellte, dass sie vieles ungern wegwerfen wollte. Die Heimatstube Bliesdorf, in der diese Sammlung nun zu sehen ist, wurde 1995 mit Unterstützung der Gemeinde in einem vor gut 100 Jahren errichteten Arbeiterhaus eröffnet. Hier findet sich ein großer Reichtum an Objekten aus der Orts- und Landschaftsgeschichte. Die Werkzeuge, Haushaltsgeräte und Gegenstände der Alltagsgeschichte sind mit nostalgischem Witz in sechs Räumen ausgestellt. Anhand jedes einzelnen Objektes kann man ins Gespräch kommen, sich Geschichten erzählen und unsere heutige Lebensweise mit den früheren Zeiten in Beziehung setzen. Besonders hervorzuheben sind das DDR-Zimmer und die Sammlung von bäuerlichen Werkzeugen aus dem vorletzten und letzten Jahrhundert.
In der Küchenausstellung kann der Besucher unter anderem viele Utensilien und Kochbücher aus vergangener Zeit entdecken. Um alle Exponate in ihrer Vielfalt und Fülle erfassen zu können, sind wohl mehrere Besuche notwendig.

Heimatstube Bliesdorf
Am Anger 1
16269 Bliesdorf
0 33 456 - 35 891

 

 

 

 

Louis Henri an der Schiffmühle

»Nur wenige sind bereit,
in die Dorfgeschichte zu investieren.«

In den brandenburgischen Reiseführern wimmelt es von Verweisen auf den märkischen Schriftsteller Heinrich Theodor Fontane (1819 - 1898), aber nur zwei Orte sind heute noch direkt mit seinem Namen verknüpft. Neben der Apotheke in Neuruppin ist dies das beschauliche Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert in Schiffmühle. Hier verbrachte der Apotheker und Dichtervater Louis Henri Fontane (1796 - 1867) seine letzten Jahre. Fontane war hugenottischer Herkunft und seine bewegte Lebensgeschichte lässt einen Sonder­ling vermuten, der im Oderbruch schließlich zur Ruhe fand.
Schiffmühle, dessen Ortsname sich von der einst betriebenen Schiffmühle auf der alten Oder herleitet, wurde im frühen 19. Jahr­hundert als Handwerker- und Arbeitersiedlung gegründet. Das Wohnhaus Fontanes stand damals außerhalb der Siedlung. Heute würdigt es als Heimatstube seinen einstigen Bewohner und beherbergt das Modell einer Schiffmühle. Eine kleine Ausstellung berichtet zudem über den in der Region bekannten Bisamjäger Siegfried Düsterhöft. Der am Haus beginnende Dorflehrpfad führt zur Grabstätte von Louis Henri Fontane an der Kirche Neutornow.

Fontanehaus Schiffmühle
Schiffmühle 3
16259 Bad Freienwalde OT Schiffmühle
0 33 44 - 33 49 778

 

 

 

 

Ältestes Regionalmuseum in der Mark Brandenburg

»Im Oderlandmuseum sind über 130 Jahre lang Zeugnisse des Lebensalltags der Menschen in Freienwalde und der weiteren Umgebung bewahrt worden, die sonst für immer verloren wären.«

Das Oderlandmuseum wurde 1889 als »Kreismuseum Oberbarnim« vom damaligen Landrat und späteren Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg gegründet. Dessen Absicht war, die heimischen Bodenfunde und die sogenannten vaterländischen Altertümer vor dem Abwandern in das Märkische Provinzial­museum Berlin zu bewahren. In einem eigenen Regionalmuseum sollten sie künftig der Förderung von Heimatbildung und Heimatverbundenheit vor allem bei der Jugend dienen.

Seit 1952 hat das Museum sein Domizil in dem spätbarocken Freihaus von Löben in unmittelbarer Nähe des Freienwalder Marktplatzes. In der ständigen Ausstellung werden die Grundzüge der Trockenlegung und Besiedlungsgeschichte des Oderbruchs vorgestellt. Außerdem wird über die Geschichte von Bad Freienwalde als ältestem Kur- und Badeort der Mark Brandenburg informiert. Für die heimatgeschichtliche Arbeit stehen neben der umfangreichen Sammlung eine Präsenzbibliothek sowie ein Archiv mit Schrift- und Bildquellen zur Regionalgeschichte des Oderlandes zur Verfügung.

Oderlandmuseum Bad Freienwalde
Albert Heyde Stiftung
Uchtenhagenstraße 2
16259 Bad Freienwalde (Oder)
0 33 44 - 20 56

 

 

 

 

Heute ein Kulturzentrum

»Schul- und Bethäuser galten damals als Zentren, an welchen sich das Leben im Dorf abspielte. Ihr Wegfall ging mit einem großen Verlust für die Dorfbewohner einher.«

Das Schul- und Bethaus in Altlangsow steht für einen von Karl Friedrich Schinkel entworfenen Funktions-Bautyp, der mehrfach im Oderbruch realisiert wurde. Das erhaltende Fachwerkgebäude geht auf eine Initiative der Altlangsower im Jahr 1830 zurück. Infolge eines Schreibens an die Oberbaudeputation in Berlin erhielten sie sowohl den Entwurf, als auch die Genehmigung zum Bau. Das Gebäude weist noch heute auf die verschiedenen Nutzungen hin: Ein Schulteil, ein Kirchenteil und dazwischen die Räume für den Lehrer. Der Betsaal beeindruckt mit den vier dorischen Säulen, diese unterteilen den Raum in ein Hauptschiff mit hölzernem Tonnengewölbe und zwei Nebenschiffe.

Nachdem das Gebäude baufällig geworden war, engagierten sich Bürger des Dorfes ab 1988 für seinen Erhalt. Der Förderverein Schul- und Bethaus Altlangsow e. V. griff diese Initiative auf, sodass sich der Schinkelbau nach seiner Restaurierung bis heute zu einem überregional bedeutsamen Kulturzentrum mit wechselnden Ausstellungen, Lesungen und Konzerten entwickeln konnte.

Schul- und Bethaus Altlangsow
Altlangsow 11, 15306 Seelow, OT Werbig

Förderverein Schul- und Bethaus
Altlangsow e. V.
Wolfgang Nitsche
0 151 - 574 355 17
kunst-im-schul-und-bethaus-altlangsow.de

 

 

 

 

Keine extra Kirchengebäude

»Es gab mit Sicherheit fast in jedem Dorf ein Schul- und Bethaus.«

Im Oderbruch gab es einst in fast jedem Dorf ein Schul- und Bethaus, denn der Staat Preußen erlaubte die Errichtung von eigenen Kirchbauten in den Kolonistendörfern nur bei äußerster Sparsamkeit. Das multifunktionale Fachwerkgebäude von 1764 wurde im Jahr 1850 mit drei Gebinden und dem Bau des Glockenturmes sowie durch den Anbau eines Schulzimmers erweitert. Eine zeitweilige Pfarre bekam Wuschewier erst 1867. Bis dato war der jeweilige Lehrer für die Sonntagspredigten zuständig. Die bestimmenden Ausstattungselemente des Betsaales wie Empore und Orgel sind von 1855 in ihrem Original bis heute noch erhalten geblieben, obschon die Überflutungen der Oder im Jahre 1785 und 1947 das Gebäude stark beschädigten.

Die Restaurierung des Baudenkmals wurde u. a. mit Hilfe der Hermann-Reemtsma-Stiftung und des heute noch aktiven Fördervereins »Schul- und Bethaus Wuschewier e. V.« 1997 realisiert, sodass der Betsaal heute für sonntägige Gottesdienste sowie für Hochzeiten, Beisetzungen und Taufen genutzt wird.

Schul- und Bethaus Wuschewier
Dorfstraße 16
15320 Neutrebbin, OT Wuschewier

Förderverein Schul- und Bethaus
Wuschewier e. V.
Burkhardt Baer
0 33 474 - 38 577
bethaus-wuschewier.de

 

 

 

Schau ins Bruch

Kulturerbe Orte im Oderbruch

 

 

Bewerbung Europäisches Kulturerbe-Siegel

Eine wachsende Zahl von Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen setzten sich für eine Bewerbung auf das Europäische Kulturerbe-Siegel ein. Die Bewerbung soll den Titel „Das Oderbruch – Klein Europa“ tragen und das Oderbruch als attraktiven, offenen und historisch gewachsenen Kulturraum präsentieren. Im November 2019 soll die Bewerbung von der für das Vorhaben gegründeten Kommunalen Arbeitsgruppe an das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg übergeben werden.
Die Arbeitsgruppe sammelt für das Vorhaben Spenden. Das Oderbruch Museum Altranft fungiert in der Bewerbung als Fach- und Koordinierungsstelle und wird die Bewerbung ausarbeiten. Weitere Informationen zu der Bewerbung und alle nötigen Spendeninformationen finden Sie auf der Internetseite der Stiftung Oderbruch.

 

 

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© oderbruch museum altranft

Die Transformation des „Oderbruch Museums Altranft – Werkstatt für ländliche Kultur"
wird gefördert in „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“, einer Initiative der Kulturstiftung
des Bundes, und durch den Landkreis Märkisch-Oderland.
Mit Unterstützung der Stadt Bad Freienwalde (Oder).

TRAFO - Modelle für Kultur im Wandel - Kulturstiftung des Bundes 

 

 

Das Oderbruch Museum Altranft
Werkstatt für ländliche Kultur
ist Preisträger des Berlin Brandenburg Preises 2018

Berlin Brandenburg Preises 2018