Lernen und Erleben

Denk mal
Oderbruch

Baudenkmäler erzählen Landschaftsgeschichte.

 

Ältestes Kolonistendorf im Oderbruch

»In Lietzejöricke ist's noch so richtig ablesbar,
wie die Oderbruchdörfer mal ausgesehen haben
mit ihren vielen Fachwerkhäusern.«

Nach den enormen wasserbaulichen Eingriffen der preußischen Krone setzte ab 1753 eine massive Neubesiedlung des Oderbruchs ein. Demnach entstanden innerhalb kürzester Zeit u. a. 40 Kolonisten­dörfer, die man noch heute an der Vorsilbe »Neu« erkennen kann. Das älteste unter ihnen wurde nahe des heute polnischen Dorfes Alt Lietzegöricke errichtet und heißt Neulietzegöricke. Das langgestreckte Angerdorf entstand nach Plänen des Architekten Johann Friedrich Christiani und steht mit seinen vielgestaltigen und liebevoll rekonstruierten Fachwerkhäusern, dem prächtigen Großbaumbestand und dem gepflegten Dorfanger seit 1976 unter Denkmalschutz. Die Bauzeit betrug ein Jahr. Neben den 13 denkmalgeschützten Fachwerkhäusern wird das Ortsbild von »Lietze« vor allem durch die spätklassizistische Kirche, den Dorfkrug und den vielfältig bewirtschafteten Schachtgraben geprägt. Der ehrenamtliche Bürgermeister Horst Wilke bietet auf Anfrage für Gruppen Dorfführungen in Oderbruchplatt an.

<<< Dokumentation Kulturerbe-Ort Neulietzegöricke

Kolonistendorf Neulietzegöricke
Horst Wilke
Neulietzegöricke 62
16259 Neulewin
0 157 - 56 85 10 58
www.neulietzegoericke.de

 

 

 

 

Wahrzeichen eines Kolonistendorfes

»Die lange Lindenallee …
bietet einen besonderen Schmuck des Dorfes.«
Peter Fritz Mengel, 1930

Das Kolonistendorf Neubarnim wurde zwischen 1754 und 1756 als Straßenangerdorf errichtet. Auf 2 368 Morgen wurden 91 Kolonistenfamilien angesiedelt, vorwiegend österreichische Protestanten und Pfälzer.
In der Mitte des Dorfangers floss bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein Schachtgraben zur Entwässerung. Der Aushub des Grabens wurde genutzt, um die Häuser zum Schutz vor Hochwasser höher zu stellen. Später wurde er verfüllt und sein Verlauf 1858 mit einer zweireihigen Lindenallee bepflanzt. Mit 2,4 km ist sie die längste Lindenallee Brandenburgs und ist bis heute ortsbildprägend, ebenso wie die Fachwerkhäuser, von denen einige unter Denkmalschutz stehen.

2018 wurden zahlreiche Lücken in der Allee durch die Neupflanzung von 100 Bäumen geschlossen. Die Lindenallee nimmt wieder ihre historische Form an und bleibt das Wahrzeichen des Dorfes. Im Sommer feiert man hier das über die Grenzen des Dorfes hinaus bekannte Lindenfest. Hier können Sie sich die Sage »Die Frösche von Neubarnim« erzählen lassen.

Neubarnimer Lindenallee
Ortsvorsteher Ulrich Seifert-Stühr
Neubarnimer Dorfstraße 24
15324 Letschin OT Neubarnim
0 33 452 - 2 94

 

 

 

 

Jüdisches Leben im Oderbruch

»Die jüdische Geschichte ist ein Alleinstellungsmerkmal, das wir hier in Groß Neuendorf haben.«

Erste Nachweise jüdischen Lebens im Oderbruch stammen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Bis in die 1930er Jahre etablierte sich das jüdische Leben mit religiöser Praxis, eigener Kultur und Geschäftstätigkeit vor allem in den Städten am Rande des Bruchs. Auch die ursprünglich wendische Siedlung Groß Neuendorf weist auf eine Synagogengemeinde mitten im Oderbruch hin. Die Gründung im Jahre 1847 geht auf den Berliner Getreidegroßhändler Michael Sperling (1803-1866) zurück, der für seine Filiale vor allem Glaubensbrüder als Arbeiter nach Groß Neuendorf holte. Im Jahre 1864 erfolgte der Bau einer Synagoge im Dorf.
Mit einer Berliner Traueranzeige aus dem Jahr 1929 verliert sich die Geschichte jüdischen Lebens in Groß Neuendorf. Der jüngste Grabstein des Friedhofs datiert das Jahr 1911. Das Areal wird von einer Steinmauer begrenzt, betreten wird es durch ein schmiedeeisernes Eingangstor, das mit einer Menora verziert ist. 1992-1994 wurde die Anlage restauriert. Neben den 29 erhaltenen Grabsteinen sind zudem auch Rudimente des einstigen Gotteshauses erkennbar.

Jüdischer Friedhof
Parkweg 5, 15324 Letschin OT Groß Neuendorf

Kontakt
Karin Rindfleisch
Poststraße 8, 15324 Letschin OT Groß Neuendorf
0 33 478 - 222

 

 

 

 

Vom Industriehafen zum Kulturhafen

»Der Verladeturm bietet aus der Vogelperspektive einen atemberaubenden Blick in die Oderlandschaft«

Als ehemaliger Knotenpunkt der Oderbruch-Bahn mit dem Wasserweg der Oder und dem Straßennetz des Oderbruchs repräsentiert der heutige Kulturhafen Groß Neuendorf einen wichtigen Meilenstein der Regionalgeschichte und ihrer landwirtschaftlichen Infrastruktur. Diese war früher vom Warenumschlag auf die Oder geprägt. Nach der Eindeichung des Oderbruchs vor rund 250 Jahren erhielt der Hafen zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine erste Kaimauer und eine Fährstelle; mit dem Anschluss an die Oderbruch-Bahn erlebte die Region ab 1911 eine Blütezeit. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse wurden bis in das europäische Ausland verschickt.

In ihrer charakteristischen Erscheinung bilden die Speicher­gebäude, das Maschinenhaus, der Verladeturm und die verbindenden Brückenbauwerke ein einzigartiges Ensemble der regionalen Kulturgeschichte. Mit der touristischen Umnutzung im Jahr 2005 wurde das aufgegebene Kulturerbe revitalisiert, um es durch lebendige Nachnutzungen auch zukünftigen Generationen zu erhalten.

Kulturhafen Groß Neuendorf
Hafenstraße 1a, OT Groß Neuendorf
15324 Letschin

Kontakt
Jens Plate
Fehrbelliner Straße 9, 10119 Berlin
030 - 505 624 71
www.verladeturm.de

 

 

 

 

Letzte ihrer Art

»Im Oderbruch standen damals ausschließlich Bockwindmühlen.«

Einst standen auf den Anhöhen des Oderbruchs über 100 Bockwindmühlen. Denn im Zuge der Trockenlegung erhöhte sich parallel zu der bäuerlichen Landwirtschaft auch der Bedarf an Mahlkapazitäten für Getreide. Die Mühlen waren technisch ausdifferenziert und unterschieden sich raffiniert im Aufbau. Nur der Müller selbst wusste über die verwendeten Holzarten, die Herkunft des Mahlsteins oder das Gemenge des Maschinenöls Bescheid. Die nahezu unversehrte und vollfunktionstüchtige Bockwindmühle, deren Name sich vom senkrecht stehenden hölzernen Stützgestell (dem Bock) herleitet, ist das letzte Beispiel ihrer Art im Oderbruch. Vor allem hohe Bauten wie Kirchen oder Mühlen wurden als Landmarken in dieser Region zum Ende des Zweiten Weltkrieges gesprengt.
In Wilhelmsaue ist es einvernehmlichen Gesprächen zwischen dem damaligen Müller und den stationierten Soldaten zu verdanken, dass die unter ihr ausgelegten Minen zu jener Zeit blind gezogen wurden. Folglich konnte die 1880 erbaute Mühle vom Müllermeister Emil Lempe schließlich bis zum Jahre 1964 wieder in den Betrieb gehen.

Bockwindmühle Wilhelmsaue
15324 Letschin OT Wilhelmsaue

Kontakt
Marco Scheibel
15324 Letschin OT Wilhelmsaue
0 173 - 610 90 27

Gemeinde Letschin, Ute Büttner
Bahnhofstraße 30 a, 15324 Letschin
0 33 475 - 60 59 27

 

 

 

 

Das »Stehaufmännchen« von Letschin

»Es ist ein Wunder, dass das Denkmal des Alten Fritzen die Bilderstürmerei überstanden hat.«

Das aus dem Jahr 1905 stammende Bronzestandbild von Friedrich II. in Letschin wechselte mehrfach seinen Aufenthaltsort: Nach Ende des Zweiten Weltkrieges befand die Statue sich in einem Letschiner Schützengraben, bis sie 1947 zu Schrotthändlern in Frankfurt (Oder) und Fürstenwalde transportiert wurde. Das Einschmelzen der historischen Bronzestatue lehnten jedoch beide ab, sodass nach zweimaliger Rückkehr der Bürgermeister die Beseitigung des im allgemeinen Geschichtsbild der DDR störenden Denkmals persönlich in die Hand nehmen wollte. Die Letschiner kamen ihm jedoch zuvor und versteckten das Denkmal hinter Gurkenfässern und Stroh bis zum Jahre 1986.

Mit einem beachtlichen Selbstbewusstsein nutzten die Bürger Letschins im Juli 1986 das 650-jährige Jubiläum, um ihren Friedrich bei Nacht wieder auf den Sockel zu stellen. Am nächsten Morgen musste das Standbild zunächst erneut auf einem Hinterhof gesichert werden. Zum allgemeinen Wohlwollen wurde die Statue am 31. Mai 1990 originalgetreu wieder aufgestellt. Seither gilt die Friedrichstatue auch als das »Stehaufmännchen« von Letschin.

Alte Fritz Denkmal Letschin
Friedrichstraße, 15324 Letschin

Letschiner Heimatstuben »Haus Birkenweg«
Letschiner Birkenweg 1, 15324 Letschin
0 33 475 - 50 797
www.letschin.de/heimatstube/

 

 

 

 

Als Dank seiner Verdienste

»Die Neutrebbiner haben schon immer an dem Denkmal gehangen.«

Neutrebbin gilt als die größte Kolonistensiedlung im Oderbruch, weshalb ein Bronzestandbild zu Ehren des »Alten Fritzen« anlässlich des 200-jährigen Bestehens des Königreichs Preußens angebracht schien. Eine ebenso große Evidenz beanspruchte allerdings die selbsternannte Hauptstadt des Oderbruchs, Letschin. Die Neutrebbiner und die Letschiner gerieten in einen regelrechten Wettstreit. Die Neutrebbiner stellten ihre Statue bereits im Jahr 1904 auf. Sie überstand nahezu unbeschadet beide Weltkriege. Während die sowjetische Besatzungsmacht die Statue mit den Worten: »Der alte Mann könne stehen bleiben« befürwortete, sprach sich der Landrat im Jahre 1952 gegen die Statue aus. Als nicht ins sozialistische Weltbild passend, wurde Friedrich II. in einer Nacht- und Nebel­aktion vom Sockel gerissen und in Müncheberg verschrottet. Im Sinne einer Entschädigung wurde an der Denkmalstelle ein Springbrunnen installiert. Durch eine Spendeninitiative der Interessengemeinschaft »Alter Fritz« e. V. wurde die Bronzestatue 1994 nach alten Vorlagen neu entworfen, gegossen und wieder aufgestellt.

Alte Fritz Denkmal Neutrebbin
Friedensplatz, 15320 Neutrebbin

Interessengemeinschaft Alter Fritz e. V.
Hauptstraße 54, 15320 Neutrebbin

 

 

 

Schau ins Bruch

Kulturerbe Orte im Oderbruch

 

 

Bewerbung Europäisches Kulturerbe-Siegel

Eine wachsende Zahl von Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen setzten sich für eine Bewerbung auf das Europäische Kulturerbe-Siegel ein. Die Bewerbung soll den Titel „Das Oderbruch – Klein Europa“ tragen und das Oderbruch als attraktiven, offenen und historisch gewachsenen Kulturraum präsentieren. Im November 2019 soll die Bewerbung von der für das Vorhaben gegründeten Kommunalen Arbeitsgruppe an das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg übergeben werden.
Die Arbeitsgruppe sammelt für das Vorhaben Spenden. Das Oderbruch Museum Altranft fungiert in der Bewerbung als Fach- und Koordinierungsstelle und wird die Bewerbung ausarbeiten. Weitere Informationen zu der Bewerbung und alle nötigen Spendeninformationen finden Sie auf der Internetseite der Stiftung Oderbruch.

 

 

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© oderbruch museum altranft

Die Transformation des „Oderbruch Museums Altranft – Werkstatt für ländliche Kultur"
wird gefördert in „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“, einer Initiative der Kulturstiftung
des Bundes, und durch den Landkreis Märkisch-Oderland.
Mit Unterstützung der Stadt Bad Freienwalde (Oder).

TRAFO - Modelle für Kultur im Wandel - Kulturstiftung des Bundes 

 

 

Das Oderbruch Museum Altranft
Werkstatt für ländliche Kultur
ist Preisträger des Berlin Brandenburg Preises 2018

Berlin Brandenburg Preises 2018